Erstmals mehrere Kandidaten bei Präsidentschaftswahl in Syrien.
Vertriebene hoffen auf Frieden
Von Karin Leukefeld, Damaskus
Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen waren am gestrigen Dienstag 15,8 Millionen Syrer aufgerufen, ihren Präsidenten zu wählen. Jeder Wahlberechtigte konnte in einem beliebigen der 9601 Wahlbüros wählen, 1500 Stationen waren allein in Damaskus geöffnet. Gewählt wurde auch in Lattakia, Tartus, Homs und in den Vierteln von Aleppo, die die syrische Armee kontrolliert. Die libanesische Regierung ermöglichte es Tausenden Syrern, am Grenzübergang Dschdeidit Jabus an der Straße zwischen Beirut und Damaskus zu wählen. Dort hatte die syrische Regierung Wahlurnen aufgestellt.
Erstmals seit einem halben Jahrhundert ging es bei der Abstimmung nicht nur darum, eine Person zu bestätigen. Drei Kandidaten waren angetreten. Während der klar favorisierte Amtsinhaber Baschar Al-Assad vor allem auf Transparenten und Plakaten allgegenwärtig war, konzentrierten sich Radio- und Fernsehsender auf die Vorstellung der beiden anderen Kandidaten, Maher Abdel Hafis Hadschar und Hassan Al-Nuri. Auch Wahlhelfer machten die Stimmberechtigten auf die beiden weniger bekannten Anwärter ausdrücklich aufmerksam.
Issa Nadir war am Dienstag eine der ersten, die schon am frühen Morgen das kleine Wahlzentrum im Stadion von Dscharamana aufsuchte. Auf dem Gelände leben Familien aus allen Teilen des Landes, die vor dem Krieg Zuflucht gesucht haben. Issa ist eine der Vertriebenen. Ihr Mann hatte als Ölingenieur in der Provinz Hassakeh gearbeitet. Vor einem Jahr mußte die Familie von dort fliehen, weil Kämpfer der Gruppe »Islamischer Staat im Irak und in Syrien« die Mitarbeitersiedlung der staatlichen Ölfirma Euphrat angriffen und die Bewohner bedrohten. Zu wählen sei ihr Recht, betonte Issa. Sie hoffe, daß die Lage in Syrien sich nach den Wahlen beruhigen werde. Und sie sagte, daß sie davon gehört habe, daß die Syrer in einigen europäischen Staaten, auch in Deutschland, nicht wählen durften. Das habe sie schockiert. »Wir schauen auf den Westen und nach Europa, weil es dort Demokratie und Meinungsfreiheit gibt«, sagte sie. Ein Mann kommt hinzu, Muatas Scherif Dschabbar heißt er und ist Geographiestudent. »Sagen Sie der Regierung in Deutschland, sie solle sich nicht in unsere Wahlen einmischen und uns Syrer selber entscheiden lassen, wen wir zum Präsidenten wählen«, fügt er Issas Worten hinzu.
Während des Gesprächs sind Explosionen und das Dröhnen von Kampfjets zu hören. Sie hätten sich daran gewöhnt, sagt Scharafeddin Nasih, der die Belange der Menschen, die hier im Stadion untergebracht sind, regelt. »An manchen Tagen fallen auf Dscharamana 120 Mörsergranaten«, klagt er und stellt eine eigentlich einfache Frage: »Warum?« Viele der Vertriebenen stammten aus den Dörfern, aus denen jetzt die Granaten abgeschossen würden. »Sie treffen nur ihre eigenen Leute, die hier Zuflucht gefunden haben«, sagt Scharafeddin. Das ist auch dem Wahlregister zu entnehmen, in dem die Wähler eingetragen werden, wenn sie ihre Wahlzettel bekommen. Sie kommen aus Deraa und Homs, Hassakeh und vielen Vororten von Damaskus, wo noch immer bewaffnete Gruppen ausharren. Husn Khalil Abdulhaid ist aus Mleiha und lebt seit zwei Jahren als Vertriebene in Dscharamana. Sie habe gewählt, weil ihre vier Kinder eine bessere Zukunft haben sollten, erzählt sie. Ihre Familie unterstütze Assad, den sie auch gewählt habe. Die Menschen seien beschämt über das, was in Syrien geschieht, sagt die Frau. Alles was sie wolle, sei nach Hause zu gehen und dort wieder in Frieden und Sicherheit leben zu können.
Ob in Kassa oder Bab Tuma, im Zentrum von Damaskus oder in Nahr Al-Aischa, einem Damaszener Vorort: Die Menschen in Syrien gingen zu den Präsidentschaftswahlen. Auch Mahmud, ein kurdischer Arbeiter, ist mit seinem kurdischen Nachbarn Hannan wählen gegangen. Während Hannan mit Überzeugung Assad wählte, weil Syrien ohne ihn und ohne die Armee verloren sei, hat die Wahl für Mahmud auch praktische Gründe. Er unterstütze zwar – »wie Hannan und alle Kurden« – die Autonomieregion von Rojava, lebe und arbeite aber hier in Damaskus. Besser sei es, sagt Mahmud, mit dem tintengefärbten Daumen nachweisen zu können, daß er gewählt habe, wenn er die fünf Kontrollpunkte bis zu seinem Wohnviertel in Rukn Al-Din ohne Probleme passieren wolle.
Erstmals seit einem halben Jahrhundert ging es bei der Abstimmung nicht nur darum, eine Person zu bestätigen. Drei Kandidaten waren angetreten. Während der klar favorisierte Amtsinhaber Baschar Al-Assad vor allem auf Transparenten und Plakaten allgegenwärtig war, konzentrierten sich Radio- und Fernsehsender auf die Vorstellung der beiden anderen Kandidaten, Maher Abdel Hafis Hadschar und Hassan Al-Nuri. Auch Wahlhelfer machten die Stimmberechtigten auf die beiden weniger bekannten Anwärter ausdrücklich aufmerksam.
Issa Nadir war am Dienstag eine der ersten, die schon am frühen Morgen das kleine Wahlzentrum im Stadion von Dscharamana aufsuchte. Auf dem Gelände leben Familien aus allen Teilen des Landes, die vor dem Krieg Zuflucht gesucht haben. Issa ist eine der Vertriebenen. Ihr Mann hatte als Ölingenieur in der Provinz Hassakeh gearbeitet. Vor einem Jahr mußte die Familie von dort fliehen, weil Kämpfer der Gruppe »Islamischer Staat im Irak und in Syrien« die Mitarbeitersiedlung der staatlichen Ölfirma Euphrat angriffen und die Bewohner bedrohten. Zu wählen sei ihr Recht, betonte Issa. Sie hoffe, daß die Lage in Syrien sich nach den Wahlen beruhigen werde. Und sie sagte, daß sie davon gehört habe, daß die Syrer in einigen europäischen Staaten, auch in Deutschland, nicht wählen durften. Das habe sie schockiert. »Wir schauen auf den Westen und nach Europa, weil es dort Demokratie und Meinungsfreiheit gibt«, sagte sie. Ein Mann kommt hinzu, Muatas Scherif Dschabbar heißt er und ist Geographiestudent. »Sagen Sie der Regierung in Deutschland, sie solle sich nicht in unsere Wahlen einmischen und uns Syrer selber entscheiden lassen, wen wir zum Präsidenten wählen«, fügt er Issas Worten hinzu.
Während des Gesprächs sind Explosionen und das Dröhnen von Kampfjets zu hören. Sie hätten sich daran gewöhnt, sagt Scharafeddin Nasih, der die Belange der Menschen, die hier im Stadion untergebracht sind, regelt. »An manchen Tagen fallen auf Dscharamana 120 Mörsergranaten«, klagt er und stellt eine eigentlich einfache Frage: »Warum?« Viele der Vertriebenen stammten aus den Dörfern, aus denen jetzt die Granaten abgeschossen würden. »Sie treffen nur ihre eigenen Leute, die hier Zuflucht gefunden haben«, sagt Scharafeddin. Das ist auch dem Wahlregister zu entnehmen, in dem die Wähler eingetragen werden, wenn sie ihre Wahlzettel bekommen. Sie kommen aus Deraa und Homs, Hassakeh und vielen Vororten von Damaskus, wo noch immer bewaffnete Gruppen ausharren. Husn Khalil Abdulhaid ist aus Mleiha und lebt seit zwei Jahren als Vertriebene in Dscharamana. Sie habe gewählt, weil ihre vier Kinder eine bessere Zukunft haben sollten, erzählt sie. Ihre Familie unterstütze Assad, den sie auch gewählt habe. Die Menschen seien beschämt über das, was in Syrien geschieht, sagt die Frau. Alles was sie wolle, sei nach Hause zu gehen und dort wieder in Frieden und Sicherheit leben zu können.
Ob in Kassa oder Bab Tuma, im Zentrum von Damaskus oder in Nahr Al-Aischa, einem Damaszener Vorort: Die Menschen in Syrien gingen zu den Präsidentschaftswahlen. Auch Mahmud, ein kurdischer Arbeiter, ist mit seinem kurdischen Nachbarn Hannan wählen gegangen. Während Hannan mit Überzeugung Assad wählte, weil Syrien ohne ihn und ohne die Armee verloren sei, hat die Wahl für Mahmud auch praktische Gründe. Er unterstütze zwar – »wie Hannan und alle Kurden« – die Autonomieregion von Rojava, lebe und arbeite aber hier in Damaskus. Besser sei es, sagt Mahmud, mit dem tintengefärbten Daumen nachweisen zu können, daß er gewählt habe, wenn er die fünf Kontrollpunkte bis zu seinem Wohnviertel in Rukn Al-Din ohne Probleme passieren wolle.
Qualle:Junge Welt